Die Reise beginnt

Mit dem ICE geht es von Berlin nach Frankfurt

Unsere Reise begann am Ostbahnhof in Berlin. Unser Zug ging erst am Abend, sodass wir den ganzen Tag Zeit hatten, unsere Sachen zu packen und die Wohnung auf unsere Abwesenheit vorzubereiten.

Komischerweise war ich überhaupt nicht aufgeregt, es fühlte sich nur komisch an, die eigene Wohnung für ein halbes Jahr zu verlassen. Ich glaube, durch die stressigen Wochen der Planung und Vorbereitung fehlte einfach die Zeit, sich mental auf die Reise einzustellen. So realisierten wir noch gar nicht, dass es endlich losging.

Nach einer Nacht in Frankfurt startete unser Flug nach Tokio entspannt am Mittag. Wir flogen mit Cathay Pacific, einer Fluggesellschaft aus Hongkong, die ich vorher gar nicht kannte. Die Boeing 777-300 war sehr modern ausgestattet und wir hatten erstaunlich viel beinfreiheit. Trotzdem war der elfstündige Flug, wie erwartet, ziemlich anstrengend. Im Flugzeug zu schlafen schaffe ich einfach nie. Fliegen ist für mich sowieso immer aufregend, vor allem wenn ich lange nicht geflogen bin. Meine Flugangst habe ich mittlerweile aber gut im Griff.

Ankunft in Japan

Nach einem kurzen Zwischenstopp in Hongkong erreichten wir nach weiteren fünf Stunden Flug endlich unser eigentliches Ziel – Japan. Normalerweise achte ich beim Buchen der Flüge immer darauf, auf der richtigen Seite zu sitzen, um etwas sehen zu können. Bei diesem Flug war ich mir allerdings nicht mehr ganz sicher, ob mir das gelungen war. Voller Hoffnung, einen Blick auf den Mount Fuji zu erhaschen, verfolgte ich unsere Flugroute auf dem Monitor und schaute immer wieder gespannt aus dem Fenster. Wir waren schon im Sinkflug, und ich hatte die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben, als das Flugzeug eine Kurve flog und ich ihn plötzlich in der Ferne sah: ein einzelner, riesiger Berg, der aus den Wolken ragte. Immer wieder versperrten die Tragflächen die Sicht, aber bei den nächsten Kurven schaffte ich es sogar, ein Foto zu machen – wunderschön und majestätisch, mit einer weißen Haube aus Schnee. Was für ein Anblick, was für eine Begrüßung!

Die Ankunft in Japan war genau das wilde Kontrastprogramm, das wir erwartet hatten – das komplette Gegenteil von Hongkong, wo alles schnell und gut koordiniert abgelaufen war. Nach mehr als 14 Stunden Anreise landeten wir auf dem Flughafen Narita, der etwa 60 Kilometer außerhalb der Stadt liegt. Für die Einreise brauchten wir unseren Reisepass und mussten eine Arrival Card ausfüllen, was sich auch direkt vor Ort erledigen lässt – als Deutsche dürfen wir für touristische Aufenthalte bis zu 90 Tage visumsfrei bleiben. Wer möchte, kann die Arrival Card auch schon vorher online ausfüllen; das geht etwas schneller, und man bekommt dafür einen QR-Code, der bei der Einreise gleichzeitig als Zollerklärung dient. Wir hatten daran nicht gedacht, aber auch so ging alles überraschend zügig.

Was uns direkt auffiel: Die Japaner lieben Anweisungen und Schilder. Insgesamt wirkte der Flughafen gar nicht so modern, vor allem im Vergleich zu Hongkong, wo wir zuvor umgestiegen waren – statt digitaler Anzeigetafeln gab es hier Rolltafeln mit handgeschriebenen Schildern als Wegweiser. Trotzdem waren alle Abläufe perfekt getaktet, und alles funktionierte reibungslos.

Nachdem wir endlich unser Gepäck hatten, wollten wir so schnell wie möglich in die Stadt. Die nächste Herausforderung war allerdings, dafür überhaupt erst mit dem Zug dorthin zu kommen – dafür brauchten wir eine Suica-Karte, mit der man nicht nur alle öffentlichen Verkehrsmittel nutzen, sondern auch in Convenience Stores bezahlen kann.


Info

Suica-Card

Die Suica-Card ist eine aufladbare IC-Karte, für die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel. Man kann sie aber auch zum Bezahlen in vielen Konbini, Geschäften und an Automaten nutzen.

Für Touristen gibt es vor allem zwei Varianten: Die normale, wiederaufladbare Karte, die langfristig genutzt werden kann. Sie ist je nach aktueller Verfügbarkeit an größeren Bahnhöfen erhältlich oder kann auf einem kompatiblen Smartphone genutzt werden.

Speziell für ausländische Besucher gibt es die „Welcome Suica”. Sie ist 28 Tage gültig, benötigt kein Pfand und kann während dieser Zeit aufgeladen werden. Das verbleibende Guthaben wird allerdings nicht zurückerstattet. Die Welcome Suica bekommt man unter anderem an den Flughäfen Haneda und Narita sowie an größeren JR-Bahnhöfen. Die physische Karte wird mit Bargeld in Yen aufgeladen.

💡Gut zu wissen: Die Suica funktioniert nicht auf jeder Bahnstrecke und ersetzt bei Shinkansen oder bestimmten Expresszügen nicht automatisch das benötigte Ticket. Außerdem solltest du die Welcome Suica am Ende deiner Reise möglichst aufbrauchen, da Restguthaben nicht ausgezahlt wird.


Da wir länger als 28 Tage in Japan bleiben würden, entschieden wir uns für die normale, grüne Suica-Card. Zum Glück war Chris noch fit genug, um sich durchzufragen, wo man die am Flughafen bekommt, während ich auf unser Gepäck aufpasste. Er kaufte sie schließlich in einem Convenience Store, und danach mussten wir auch noch Bargeld auftreiben, denn aufladen ließ sich die Karte an den Automaten nur bar.

Nach einer gefühlten Ewigkeit hatten wir endlich alles erledigt und konnten mit dem nächsten Zug in die Stadt fahren – eine Fahrt, die noch einmal anderthalb Stunden dauerte. Mittlerweile war es längst dunkel geworden. Der erste Eindruck auf dem fünfzehnminütigen Weg zur Unterkunft: von Großstadt keine Spur, die Straßen lagen leer und ruhig da. Unsere Unterkunft war ein kleines Zimmer in einem recht neuen Gebäude, samt japanischem Klo und umgeben von ein paar Restaurants, Imbissbuden und Mini-Märkten. Nach einem schnellen Abendessen sind wir todmüde ins Bett gefallen.

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