Harajuku
Trotz des frühen Einschlafens waren wir vom Jetlag noch spürbar gerädert. Die sieben Stunden Zeitverschiebung und die schlaflose Nacht im Flugzeug hatten uns bis 11 Uhr schlafen lassen. Trotzdem wollten wir natürlich so viel wie möglich in den fünf Tagen, die wir hier waren, sehen.
Der 3. November war in Japan ein nationaler Feiertag - der Tag der Kultur - der ursprünglich auf den Geburtstag des Meiji-Kaisers zurückgeht und nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem Fest für Frieden, Freiheit und Kultur wurde. Passend dazu führte unser erster Weg zum Meiji-Schrein, der zu Ehren des Kaisers errichtet wurde. Unterwegs frühstückten wir in einer „französischen” Bäckerei – solche Bäckereien im französischen Stil scheint es in Japan erstaunlich häufig zu geben. Als Vegetarierin finde ich in einer Bäckerei meistens etwas – auch wenn es nicht gerade das gesunde Frühstück ist, das ich sonst gerne esse. Den Kaffee gab es nur mit Kuhmilch, aber okay, ich nahm, was ich kriegen konnte. Kaffee musste heute sein!
Meiji-Schrein
Vom Bahnhof Harajuku war es nur ein kurzes Stück bis zum Eingang des Parks. Dort markierte ein riesiges Torii-Tor den Übergang zum heiligen Wald, in dem sich der Meiji-Schrein befindet. Wir waren sofort total beeindruckt von der Größe dieses Tores. Es ist 10,1 Meter hoch und der obere Querbalken ist 15,6 Meter lang.
Was viele Besucher scheinbar nicht wissen: Man geht nur an den Seiten durch ein Torii hindurch, denn der Weg in der Mitte ist den Göttern vorbehalten. Für uns ist es selbstverständlich, dass wir uns über solche Verhaltensweisen in fremden Ländern informieren und uns daran halten. Das zeigt Respekt vor einer anderen Kultur und dem Land, das man besucht.
Info
Torii-Tore
Torii-Tore stehen normalerweise am Eingang von Shinto-Schreinen. Sie markieren die Grenze zwischen der Alltagswelt und dem heiligen Bereich der Götter (Kami). Ihre rote Farbe soll böse Geister abwehren und symbolisiert Leben und Energie. Vor dem Durchschreiten des Tores und somit dem Betreten des Reiches der Götter verneigt man sich, um Respekt zu zeigen. Der Weg in der Mitte des Tores ist außerdem den Göttern vorbehalten, deswegen geht man entweder rechts oder links an der Seite durch das Tor.
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Am Schrein war wegen des Feiertags einiges los, aber die schattigen Wege zwischen den hohen Bäumen waren breit, sodass sich die Menschenmassen in dem weitläufigen Park gut verteilten. Der Hauptkomplex befand sich etwa in der Mitte des Waldes. Für uns war es der perfekte Beginn, um näher in die japanische Kultur einzutauchen. Langsam schlenderten wir an den vielen Menschen vorbei und beobachteten die Japaner bei ihren traditionellen Shinto-Ritualen. Einige schrieben Wünsche auf Holztäfelchen, andere drängten sich am Verkaufsstand von Glücksbringern (Omamori).
Wir wollten uns als Souvenir auch einen Glücksbringer mitnehmen. Die kleinen gewebten Stoffbeutel sind oft wunderschön verziert und enthalten häufig ein geweihtes Stück Papier oder Holz. Man trägt sie immer bei sich, und nach etwa einem Jahr verlieren sie ihre Wirkung. An dem Stand gab es zahlreiche verschiedene, die alle eine andere Bedeutung hatten. So gibt es zum Beispiel welche zum Schutz vor Unfällen, für den beruflichen Erfolg, um den richtigen Partner zu finden oder die Beziehung zu stärken, für den Erfolg in der Schule und natürlich für Gesundheit und ein langes Leben.
Nachdem wir eine ganze Weile auf dem Schreingelände verbracht hatten, spazierten wir weiter durch den Park und genossen die warmen Sonnenstrahlen an diesem schönen Novembertag. Die ersten Spuren des Herbstes machten sich langsam bemerkbar, und ein paar Blätter waren schon bunt gefärbt. Im November ist es in Tokio noch sehr mild, mit Temperaturen zwischen 15 und 19 Grad am Tag. Sobald die Sonne verschwunden ist, wird es allerdings schlagartig kalt, und die Temperaturen sinken in der Nacht auf etwa 7 bis 10 Grad. Der Rückweg führte uns vorbei an einer bunten Wand aus leeren Sake-Fässern. Die bunten Fässer werden von Sake-Brauereien aus ganz Japan gespendet und sind ein tolles Fotomotiv.
Der japanische Reiswein Sake wurde schon früher bei Shinto-Feierlichkeiten und -Ritualen als Opfergabe verwendet. Damals wurde er als „Miki” bezeichnet, was so viel wie „Alkohol der Götter” bedeutet.
Takeshita-Street
Nach der Besichtigung des beeindruckenden Schreins führte uns der Weg zu einer Galerie – vorbei an der beliebten Einkaufsstraße Takeshita Street. Im Vergleich zu dem ruhigen Park, aus dem wir gerade kamen, war dieser Ort das komplette Gegenteil. Für mich als jemandem, der schnell von zu vielen Eindrücken überfordert wird, war es eine Herausforderung, durch diese Straße zu laufen.
Durch den Feiertag war es wahrscheinlich besonders voll. Wir wollten uns das bunte Treiben trotzdem nicht entgehen lassen – also ab in die Menschenmenge. In der schmalen Straße fanden sich zahlreiche kleine Läden, Essensstände und Cafés mit allen möglichen Tieren zum Streicheln. Neben Hunde-, Katzen- und Schweinecafés sahen wir auch eines mit Capybaras. Auch wenn diese Tiere natürlich unglaublich niedlich sind, gehören sie in die Wildnis Südamerikas und nicht in ein überfülltes Café in einer Großstadt.
Von den vielen Essensständen mussten wir natürlich etwas probieren. Wir entschieden uns für Pancakes wahlweise gefüllt mit Obst, Eis, Pudding, Sahne oder sogar Kuchen. Ich habe mich für Erdbeere, Banane mit Pudding und Sahne entschieden und Chris für Mango, Kuchen und Sahne - es war sehr lecker! Anschließend gab es noch einen herzhaften Snack - für mich Onigiri mit Seetang und für Chris irgendwas mit Fleisch in einem Teigmantel.
Wir schauten noch in dem ein oder anderen verrückten Laden vorbei, wovon es dort sehr viele gibt. Nach über zehn Kilometern zu Fuß, wurden die Füße langsam müde und der Jetlag machte sich bemerkbar. Also ging es früh zurück zur Unterkunft, wo uns um die Ecke ein leckeres japanisches Curry erwartete.